“Heute leider keine Eier” Feinkunst Krüger, Hamburg, 2020

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Manchmal laufen die Dinge eben anders als geplant und so sind die neuen Arbeiten von Till Gerhard eben schon dieses Jahr bei Feinkunst Krüger zu sehen. Gerhard und der Galerist kennen sich seit vielen Jahren (erste Einzelausstellung im Jahr 2002) und die Galerie verfolgt seit dem sehr interessiert seinen Werdegang. Erfolgreiche Ausstellungen weltweit, Aufnahme in große Sammlungen und zum Lieblingskünstler von Richard Prince avanciert, ist Gerhard der Malerei immer treu geblieben und forscht weiterhin auf dem weiten Feld, welches diese ihm anbietet. 
Till Gerhards Malerei suggeriert ihren eigenen Mikrokosmos, in dem sich die Grenzen zwischen Realität und Fiktion auflösen und das Fantastische in die reale Welt eindringt. Der visuelle Raum, den der Maler schafft, liegt jenseits der rationalen und harmonischen Welten und vermittelt eine geheimnisvolle, entnervende Stimmung. Seine Figuren kehren dem Betrachter den Rücken und markieren damit die Grenze zwischen Innen- und Außenwelt. Gerhards visuelle Welt bewegt sich zwischen Figuration und Abstraktion. Bei näherer Betrachtung erscheinen die präsentierten Figuren verzerrt oder unscharf und unterstreichen, wie seine figurativen Motive auch Reste der Abstraktion in sich tragen. Gerhards Geschicklichkeit liegt in seiner Zweideutigkeit. Seine visuelle Welt ist mysteriös und phantastisch, was seine Betrachter irritiert und beunruhigt.
Till Gerhard in seinen eigenen Worten:
Nun also meine dritte Einzelausstellung bei Feinkunst Krüger. Kam schneller als gedacht. Eigentlich wollten wir nächstes Jahr zusammen eine Ausstellung machen. Als Ralf mich dann Ende April fragte ob ich mir vorstellen könne im Juni eine Ausstellung zu machen, bat ich mir etwas Bedenkzeit aus. 
Mittags kam unsere Gemüsekiste, oben auf lag ein Zettel mit der Info: Heute leider keine Eier. Damit hatte ich den Titel für die Ausstellung und konnte zusagen. 
Lieferengpässe, Isolation, wachsende Haare, Masken. Was hat die Kunst dazu zu sagen? Früher streute man Salz in die Wunden, heute vielleicht lieber Balsam? Plötzlich merken wir wie essentiell Kunst und Kultur für das menschliche Leben sind, was uns fehlt ohne Ausstellungen, Konzerte und Lesungen.
Pay for your pleasures.
Bleibt nur die Frage, was eigentlich zeigen? Momentan arbeite ich vermehrt an kleinen Arbeiten auf alten Bucheinbänden, aber auch an großen Formaten. Was? Natur, Menschen mit langen Haaren, Hütten, Musiker, Künstler, Festivals, the sound of music, back to the basics. Das was essentiell ist, offensichtlich. Vermehrt schleicht sich die Kunstgeschichte ein in Motiven oder Farbklängen. Friedrich, Bonnard, Munch, Kirchner. Ob das Unterfangen glückt, sehen sie selbst.

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